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bluebox Glasbox
Eine kleine Ausstellung zu einem großen Haus.

Am 14. April 2007 ging nach einer kurzen Wartungspause das Projekt bluebox wieder an den Start. Zeitgleich wurde die "bluebox Glasbox" fertig gestellt.

Direkt unter dem Blauen Bock befindet sich ein kleiner begehbarer Glaskasten, der schon seit einiger Zeit leer stand. Wir hatten die Idee, dort eine Austellung mit Bezug zum bluebox Projekt zu realisieren. Die DGAG, die uns schon den Blauen Bock zur Verfügung stellte, gab uns auch dafür die Erlaubnis. Wir brachten die Räumlichkeiten wieder in Schwung, putzen die Scheiben und entfernten angeklebte Plakate. Danach ging es ans Dekorieren. Nun kann man sich Abends nicht nur am blinkenden Blauen Bock erfreuen, sondern auch etwas über das Projekt, die Technik und die Geschichte des Hauses erfahren. Weiterhin haben wir noch ein paar DDR Überbleibsel ausgestellt, die wir in den verlassenen Räumen gefunden haben. Für die die nicht zum Blauen Bock kommen können oder wollen, sind hier Texte und Fotos archiviert.

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Das Projekt bluebox

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Beim Projekt bluebox wurde ein leer stehender Plattenbau im Zentrum von Magdeburg in ein interaktives Computerdisplay verwandelt. Jedes der 686 Fenster wurde mit Hilfe einer Folie und eines handelsüblichen Baustrahlers zu einem Teil eines riesigen computergesteuerten Bildschirmes. Auf der Front des Hauses können somit Bilder und bewegte Animationen dargestellt werden. Die einzelnen Fenster können dabei nicht nur an und aus geschaltet, sondern auch in 127 Helligkeitswerten variiert werden.

Weiterhin ist es möglich, mit einem Mobiltelefon auf der Hausfront Pong, Pacman und Symmetris (eine Art Tetris) zu spielen. Mit den Tasten des Telefons wird das jeweilige Spiel gesteuert. Es können auch eigene Animationen eingesendet und dann mit einem Telefon und dem erhaltenen Code gestartet werden.


Blauer Bock gestern, heute, morgen?

Der Plattenbau auf Erdgeschoss-Stahlbetonkonstruktion, der wegen seiner blauen Kacheln "Blauer Bock" genannt wird, ist 1967 gebaut worden und hat seit dem beginnenden Leerzug im Jahr 1990 eine Schlagzeile nach der anderen gemacht.

[Ernst-Reuter-Alle alt & neu]

An der Stelle, an der sich heute der Blaue Bock befindet, hat einst der Firmensitz des Textilgroßhändlers Heinrich Mittag gestanden. Das Gebäude gehört noch zum Breiten Weg, denn die Ernst-Reuter-Allee, die wir heute kennen, ist nur eine schmale Gasse, nicht viel breiter als der heutige Fußweg (siehe Foto). Die Magdeburger Fabrikantenfamilie besitzt das Textilgroßhandelshaus bis in die Nachkriegszeit. Ende der vierziger Jahre siedelte die Familie dann aber nach Hannover über. Adolf, der Sohn von Heinrich Mittag, stellte seine Arbeitskraft in den Dienst der Allgemeinheit und so erinnert der Adolf-Mittag-See im Stadtpark noch immer an die Familie.

1990 beginnt dann der Leerzug der Einraumwohnungen im Blauen Bock und in das offen stehende Gebäude quartieren sich nach und nach Stadtstreicher ein. Erst im Frühjahr 1992 ziehen die letzten regulären Mieter aus und das Gebäude steht nun bis auf die Ladenflächen leer. Im gleichen Jahr wird der Bauzustand vom Hochbauamt geprüft, weil die kommunale Verwaltung im sanierten "Blauen Bock" untergebracht werden soll. Im Jahr 1993 berichtet die Volksstimme zu haben für 80 Pfennig* von diesem Investitionsplan der Stadt aus dem Jahr 1992, in dem für die Sanierung des Blauen Bocks 13 Millionen Mark vorgesehen worden war und der die 320 Appartementwohnungen in 6000 Quadratmeter Bürofläche für die Stadtverwaltung verwandeln sollte. Die Idee wird aus Kostengründen fallen gelassen und die geplante Investition wird zugunsten anderer Ausgaben ersatzlos gestrichen.

Statt dessen steht 1993 der Verkauf des Blauen Bocks an. Der Bankier Günter Follmer erhält für 10 Millionen Mark den Zuschlag für das unter städtischer Verfügung stehende Haus. Parallel erhebt die OHG Heinrich Mittag Einspruch, die seit der Wende versucht das lukrative Grundstück zurückzubekommen, der jedoch 1994 abgewiesen wird. Doch noch vor dem rechtsgültigen Kauf stirbt Follmer im Sommer 1995 und seine Erben erheben keinen Anspruch auf das Kaufrecht. Die Stadt verhandelt mit der OHG Heinrich Mittag, die ein "repräsentatives, für Magdeburg beispielgebendes Gebäude" errichten möchte.

Zwischen 1992 und 1996 ist es sonst ruhig um den Blauen Bock abgesehen vom Einzug des Bankhaus Löbbecke & Co., für das die erste Etage auf der rechten Seite über die Länge von neun Einraumwohnungen umgebaut und saniert wird. Die darunter liegende Ladenfläche wird zur Schalterhalle.

Im Sommer 1996 die Volksstimme hat den Preis mittlerweile auf eine Mark erhöht* - präsentiert die Künstlerin Sabrina Hohmann ein Projekt, in dessen Rahmen für 14 Tage 280 Stühle von Magdeburgerinnen und Magdeburgern an Stahlseilen an der Bock-Fassade aufgehängt werden. Es soll Inbesitznahme, sich zusammensetzen oder auseinandersetzen symbolisieren. Im gleichen Atemzug berichtet die Volksstimme von einem Großprojekt, das zusammen mit Karstadt entstehen soll, den Parkplatz hinter dem Warenhaus mit einschließt und in dessen Rahmen die Häuser zu verbunden werden sollen. Karstadt zieht sich jedoch zu Beginn des Jahres 1999 aus dem Projekt zurück.

Im Jahr 1999, die Volksstimme kostet jetzt 1,20 Mark*, sind Büll & Dr. Liedtke (B&L Immobilien AG) und die Stadtsparkasse Eigentümer des Blauen Bocks. Die B&L Immobilien AG nennt sich in DGAG Deutsche Grundvermögen AG um. Inzwischen gehören 95% der Aktien der Immobilientochter des italienischen Mischkonzerns Pirelli. Ende 2004 werden zum ersten Mal die Mitglieder des Magdeburger Clubs in das Gebäude gelassen. Rechtzeitig zum Nikolaustag startet dieser seine erste Aktion überhaupt und errichtet einen riesigen Adventskalender auf der Fassade. Durch die Beleuchtung verschiedener Fenster in den Abendstunden wird die jeweilige Datumszahl gezeigt.

Seit dem 1. Dezember 2006 beherbergt der Blaue Bock bis zum geplanten Abriss im Herbst 2007 das Projekt bluebox.

[Konzeptstudie Blauer Bock]

Die letzte Frage, die sich stellt: Was passiert, wenn der blaue Bock weg ist? Weil ein Bild mehr sagt als 1000 Worte, hat uns die DGAG die Erlaubnis gegeben, das Bild ihrer Konzeptstudie zu veröffentlichen. Vielleicht wird das Haus ja nachts blau beleuchtet, um an den alten Bock zu erinnern?


* Viele Informationen stammen aus im Magdeburger Stadtarchiv hinterlegten Ausgaben der Volksstimme. Die Preisangaben dienen nur der Information.
[Fensterpatentafel] [bluebox Glasbox] [bluebox Glasbox]

Warum? Weils geht.
Und wieso? Um zu zeigen, dass es geht.

Wenn eine Hand voll freiwilliger Leute so ein Projekt umsetzt, hört man oft die Frage nach dem Sinn. Die Antwort ist einfach. Wir versuchen in unserem Rahmen mit unseren Möglichkeiten, die Welt ein kleines Stück zu verbessern.

Wir haben eine Idee gehabt, Sponsoren gesucht, gefunden und ein öffentlichkeitswirksames Projekt auf die Beine gestellt. Ziel ist es nun, die Aufmerksamkeit des Projektes zu nutzen, um den Spendentopf des Projektes zu füllen und mit diesem neue gemeinnützige Projekte aus den Bereichen Jugend und Kultur zu unterstützen. Somit wird die Vielfalt an Aktivitäten erweitert und andere haben die Möglichkeit, ihre Ideen ebenfalls umzusetzen.

Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, etwas zu bewegen, wenn man nur fest daran glaubt und stetig daran arbeitet. Wir wollen Menschen ermutigen, sich für etwas einzusetzen, etwas zu verbessern. Sicherlich gibt es viel zu beklagen, aber wenn niemand etwas tut, wie soll es dann besser werden? Der Anfang ist immer steinig, aber wenn die ersten Erfolge in Sicht sind, macht es Spaß und das Gefühl, anderen Menschen etwas Gutes getan zu haben, entschädigt alles.

Wir wünschen uns, dass wir mit diesem Projekt ein paar Leute motivieren können, etwas in ihrem Umfeld zu tun und nicht jeden Abend tatenlos am Fernseher verbringen.


Fensterpatenschaften

Seit Beginn des Projektes ist es möglich, für die 686 Fenster so genannte Fensterpatenschaften zu übernehmen. Mit einer Spende von 10 Euro kann jeder das Projekt unterstützen. Die erzielten Einnahmen kommen einem gemeinnützigen Zweck zugute.

Wenn Du die Patenschaft für ein oder mehrere Fenster übernehmen möchtest, sende uns bitte eine email an fensterpate 'at' magdeburgerclub.de. Jeder Fensterpate erhält auf Wunsch eine Urkunde und eine Spendenquittung.


Die Tafeln als PDF
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Fotos: Sascha Ludwig, Wolf Brüning, Stephan Kambor
Ausstellung/Texte: Juliane Pilster, Stephan Kambor

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